Conrad Steinmann, Blockflöten

Eine Serie von 12 Videos

Es ist mir ein grosses Vergnügen, mit Conrad Steinmann  diese Video-Serie an verschiedenen besonderen Orten in der Schweiz aufzunehmen. Seine Eigenkompositionen und sein einmaliges Spiel auf diesen einfachen Instrumenten sind für mich eine Offenbarung!

4pm


Conrad Steinmann: 4pm (2013)
für eine möglichst eng mensurierte Renaissancetenorflöte in c‘‘

Conrad Steinmann spielt auf einer Tenorflöte von Evgenji Ilarionov (Kiew) nach einem Modell von Claude Rafi, Lyon, um 1540, auf der Stimmtonhöhe von 465

alfabet


Conrad Steinmann: alfabet (2010)
für eine Bassblockflöte
inspiriert durch das Gedicht „alfabet“ der dänischen Lyrikerin Inger Christensen und geschrieben zu „Alif Beh“ des ägyptischen Künstlers Hazem El Mestikawy.

Iktsuarpok

Iktsuarpok (2020) von Conrad Steinmann (*1951)
Obertonflöte aus Plexiglas in F auf 465 Hz. von Lukas Rohner, 2006.

Iktsuarpok ist ein Wort aus der Sprache der Grönländischen Inuit und bezeichnet das sehnsuchtsvolle Gefühl eines Inuit, der aus seinem Iglu tritt, um mit seinen Augen den weiten Horizont abzutasten, in der vagen Hoffnung, einen möglichen Besucher zu entdecken.

Aufnahmen vom 6. November 2020 im Kirchlein Schuders.

Mandilátos

Trad. aus Nordthrakien/Griechenland, nach einer Feldaufnahme 1973 mit Nikos Strikos, lýra, und Ioannis Poulimenou, daoúli.

Conrad Steinmann spielt auf einer Sopranblockflöte in c‘‘ (Rosenborg) von Evgenij Ilarionov, Kiew.
Gespielt vor dem 3-teiligen „Rorschach Screen“ von Peter Randall-Page anlässlich seiner Solo exhibition im Kloster Schönthal/Langenbruck (Schweiz).

Lamento


Conrad Steinmann: sopra il lamento di Reso per soprano solo (2014)
Paraphrase zum « Lamento » für Querflöte solo von Reso Kiknadze (Georgien)

Virgo, sidus aureum


„Virgo, sidus aureum“ aus dem Codex Las Huelgas (Burgos), um 1300.
Bearbeitung Conrad Steinmann.

Instrument: Sopranblockflöte (Rosenborg) in 465 Hz. von Frederick G. Morgan, 1983; Ahorn.

Aufnahmen vom 6. November 2020 im Kirchlein Schuders.

Io son fiorito

Nach dem Madrigal „Io son ferito“ von Palestrina, um 1525 – 1594, und den Diminutionen von G. B. Bovicelli, 1550 bis um 1594, aus seinen „Regole, passaggi di musica“, Venezia 1594. Soloversion von Conrad Steinmann 2020.

Instrument: Blockflöte in g‘ nach Bassano von Taavi-Mats Utt, 2001; in Mammutelfenbein,

Aufnahmen vom 6. November 2020 im Kirchlein Schuders.

Bulgarisches Volkslied


Plačí, plačí, naplačí se (trad. aus Bulgarien)

Weine, weine, Marí Máro ejo,
Weine dich aus,
Vorbei ist Deine Mädchenzeit…

Conrad Steinman spielt auf einer Rafi-Tenorflöte von Evgenji Ilarionov (Kiew)

Qale Gnizza


8. Kirchenton der Qale Gnizza, ev. aus dem 6. Jh., überliefert durch den Archidiakon Asmar aus Beirut, mit einem Kommentar vom 20. August 2019 von Conrad Steinmann.

Conrad Steinmann spielt auf einer Renaissance-Bassblockflöte in C von Bob Marvin, 1991.
Gespielt vor der Skulptur „Envelope of pulsation 1“ von Peter Randall-Page anlässlich seiner Solo exhibition im Kloster Schönthal/Langenbruck (Schweiz).

Pavaen Lachrimae


Jacob van Eyck (um 1590-1657):
Pavaen Lachrymae, aus: Der Fluyten Lust-hof, Utrecht 1644
nach „Lachrimae Antiquae“ von John Dowland.

Conrad Steinmann spielt auf einer Renaissanceflöte in g‘ aus Mammut, von Taavi-Mats Utt (Estland), 2003.

vivace e suave


Conrad Steinmann: vivace e suave (2017)
für 1 Altblockflöte
mit Dank an Sylvestro (Ganassi) und Ivo (Dimchev) für Inspirationen

Alrune


Alrune (Ur- Fassung, 1979) von Roland Moser (1943*)
Conrad Steinmann, Okarina.

Instrument: Okarina in c‘‘, EWA Vienna, um 1920, aus dem Besitz des Grossvaters von Roland Moser; gebrannter Ton.

Aufnahmen vom 6. November 2020 im Kirchlein Schuders.

Diese ganze Videoserie mit Conrad Steimann erweckt in mir das, was Heidegger “unheimlich” nennt. Nicht unheimlich im Sinne von gespenstisch, sondern im Sinne von nicht-heimisch. Wenn man plötzlich in eine völlig fremde Landschaft tritt, in der alles Bekannte wegfällt und sich die Strukturen dessen, was man ist und kennt auflösen, so dass wirklich Neues geschehen kann.

Es ist sehr schön, wie die Ruhe der Körperhaltung des Künstlers mit der Stille der Umbegung verschmilzt und dadurch die Musik fast völlig aus dem Leeren zu kommen scheint. Fast, als sei die Musik hier ein Spielen dessen, was sonst weder Sprache noch Ton besitzt.

Andrew D'Ambrosi